Grauer Star und Diabetes: Worauf Diabetiker vor der OP achten sollten
Diabetes mellitus erhöht das Risiko für grauen Star deutlich und lässt ihn oft früher entstehen als bei Menschen ohne Diabetes. Vor einer Kataraktoperation braucht es bei Diabetikern einige zusätzliche Überlegungen, insbesondere zur Blutzuckereinstellung und zum Zustand der Netzhaut. Die Operation selbst läuft aber grundsätzlich genauso ab wie bei anderen Patienten.
Dieser Beitrag erklärt den Zusammenhang zwischen Diabetes und grauem Star sowie die wichtigsten Punkte für die OP-Vorbereitung.
Warum Diabetes das Katarakt-Risiko erhöht
Bei Diabetes ist das Risiko für grauen Star gegenüber Menschen ohne Diabetes um das Zwei- bis Fünffache erhöht. Dauerhaft erhöhte Blutzuckerwerte verändern den Stoffwechsel der Linse und beschleunigen die Eintrübung der Linsenproteine.
Bei schlecht eingestelltem Diabetes kann sich sogar eine besondere Form entwickeln, der sogenannte Schneeflocken-Katarakt. Dabei bilden sich schneeflockenartige, weißliche Trübungen, die sich rascher entwickeln als der übliche Alterskatarakt. Eine gute Blutzuckereinstellung über die Jahre senkt dieses Risiko deutlich.
Vor der Operation: Was zusätzlich wichtig ist
Bei Diabetikern prüft der Augenarzt vor der Operation gezielt den Zustand der Netzhaut. Diabetes kann zu Veränderungen der Netzhautgefäße führen, der sogenannten diabetischen Retinopathie. Diese sollte möglichst gut behandelt sein, bevor die Kataraktoperation geplant wird.
Auch die aktuelle Blutzuckereinstellung spielt eine Rolle. Ein möglichst stabiler Blutzuckerspiegel in den Wochen vor der Operation begünstigt eine unkomplizierte Heilung. Diabetes-Medikamente wie Metformin werden in aller Regel ganz normal weitergenommen.
Erhöhtes Risiko für bestimmte Komplikationen
Diabetiker haben ein etwas höheres Risiko für ein sogenanntes zystoides Makulaödem nach der Operation, eine vorübergehende Schwellung im Bereich der Netzhautmitte. Es äußert sich durch eine erneute Sehverschlechterung einige Wochen nach dem Eingriff und ist meist gut mit Augentropfen behandelbar.
Aus diesem Grund erhalten Diabetiker nach der Operation häufig ein etwas länger angesetztes Schema entzündungshemmender Augentropfen. Die Nachkontrollen werden entsprechend engmaschiger geplant, um Veränderungen frühzeitig zu erkennen.
Welche Kunstlinse passt bei Diabetes?
Bei bestehenden Netzhautveränderungen sprechen Augenärzte bestimmte Speziallinsen, etwa Mehrstärkenlinsen, seltener an. Diese profitieren besonders von einer intakten Netzhautfunktion im Bereich der Stelle des schärfsten Sehens. Eine Standardlinse mit einer festen Brennweite ist bei vorbestehenden Netzhautveränderungen oft die verlässlichere Wahl.
Welche Linse im Einzelfall sinnvoll ist, hängt vom individuellen Netzhautbefund und den persönlichen Sehgewohnheiten ab. Das klären Sie am besten gemeinsam mit Ihrem Augenarzt bei der Voruntersuchung.
Regelmäßige Augenkontrollen unabhängig vom grauen Star
Menschen mit Diabetes sollten unabhängig von einem grauen Star regelmäßig zur augenärztlichen Kontrolle gehen. Der Hintergrund des Auges wird dabei auf Anzeichen einer diabetischen Retinopathie untersucht, lange bevor diese Beschwerden verursacht. So lassen sich Veränderungen frühzeitig erkennen und behandeln.
Diese Kontrollen sind auch dann sinnvoll, wenn noch kein grauer Star diagnostiziert wurde. Wird später eine Kataraktoperation nötig, liegen bereits aktuelle Befunde zur Netzhaut vor, was die Planung erleichtert.
Insulin und der Tag der Operation
Bei insulinpflichtigem Diabetes lohnt es sich, den Zeitpunkt der Insulingabe am OP-Tag im Vorfeld mit dem Behandlungsteam zu besprechen. Da bei Lokalanästhesie mit Augentropfen keine Nüchternheit erforderlich ist, lässt sich der gewohnte Tagesablauf meist gut einhalten. Bei Unsicherheiten hilft ein kurzes Gespräch mit der Praxis vor dem Termin.
Ablauf der Operation bei Diabetes
Der eigentliche operative Ablauf unterscheidet sich bei Diabetikern kaum von der Standardoperation. Die trübe Linse wird mittels Phakoemulsifikation entfernt und durch eine klare Kunstlinse ersetzt. Der Eingriff dauert weiterhin meist nur 10 bis 20 Minuten und erfolgt ambulant.
Wichtig ist vor allem die sorgfältige Vorbereitung: eine augenärztliche Beurteilung der Netzhaut, bei Bedarf eine Rücksprache mit dem behandelnden Diabetologen, und eine realistische Einschätzung der aktuellen Stoffwechsellage.
Symptome nicht vorschnell dem Diabetes zuschreiben
Menschen mit Diabetes kennen Schwankungen ihrer Sehschärfe oft schon durch wechselnde Blutzuckerwerte, die kurzfristig die Brechkraft der Linse beeinflussen können. Eine schleichende, dauerhafte Verschlechterung mit zunehmender Blendung ist davon zu unterscheiden und spricht eher für einen beginnenden grauen Star. Im Zweifel bringt eine augenärztliche Untersuchung Klarheit über die tatsächliche Ursache.
Häufige Fragen
Muss ich meinen Blutzucker vor der OP in einem bestimmten Bereich haben? Eine stabile, gut eingestellte Blutzuckerlage begünstigt die Heilung. Ihr Augenarzt bespricht mit Ihnen, ob vor der Operation noch Anpassungen sinnvoll sind, oft in Abstimmung mit Ihrem Diabetologen.
Erhöht Diabetes das Risiko für Komplikationen während der Operation? Das grundsätzliche Risiko bleibt niedrig, ist bei Diabetes aber leicht erhöht, insbesondere für ein Makulaödem nach der OP. Eine gute Vor- und Nachsorge senkt dieses Risiko deutlich.
Muss die diabetische Retinopathie vor der Katarakt-OP behandelt sein? Idealerweise ja, oder zumindest stabil eingestellt. Ihr Augenarzt beurteilt den Netzhautbefund vor der Operation und bespricht mit Ihnen die passende Reihenfolge der Behandlungen.
Wie oft sollten Diabetiker nach der OP zur Kontrolle? Meist etwas häufiger als Patienten ohne Diabetes, da das Risiko für ein Makulaödem leicht erhöht ist. Ihr Augenarzt legt die genauen Kontrollintervalle individuell fest.
Muss ich meine Insulindosis am OP-Tag anpassen? Das hängt von Ihrer individuellen Therapie und der Uhrzeit des Eingriffs ab. Besprechen Sie das am besten vorab mit Ihrem Diabetologen und der operierenden Praxis.
Verschlechtert sich meine diabetische Retinopathie durch die Katarakt-OP? Die Operation selbst verschlechtert eine bestehende Retinopathie in aller Regel nicht. Wichtig ist, dass sie vor dem Eingriff augenärztlich beurteilt und möglichst stabil eingestellt ist.
Nächste Schritte
Mehr über den Ablauf der Operation erfahren Sie unter Operationsablauf. Welche Risiken generell bei einer Kataraktoperation zu bedenken sind, lesen Sie unter Risiken.
Quellen
Weiterführende Themen auf kataraktzentrum.org
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