Medikamente vor der Katarakt-OP: absetzen oder weiternehmen?
„Muss ich meine Blutverdünner jetzt absetzen?” Diese Frage hören Augenärzte vor einer Operation des grauen Stars (Katarakt) fast täglich. Die Antwort beruhigt die meisten: Fast alle Medikamente nehmen Sie vor dem Eingriff ganz normal weiter. Wichtig ist vor allem, dass Ihr Augenarzt Ihre komplette Medikamentenliste kennt. Einzelne Wirkstoffgruppen, allen voran die Alpha-Blocker, verlangen nämlich eine besondere Vorbereitung des Operateurs.
Dieser Beitrag ordnet die wichtigsten Medikamentengruppen ein und fasst in einer Tabelle zusammen, was vor der Operation jeweils gilt.
Der Überblick: Was gilt für welche Medikamente?
Die folgende Tabelle fasst die Grundregeln zusammen. Sie ersetzt kein ärztliches Gespräch, hilft aber bei der ersten Orientierung.
| Medikamentengruppe | Vor der Operation | Worauf Sie achten sollten |
|---|---|---|
| Blutverdünner (z. B. ASS, Marcumar) | meist normal weiternehmen | nie eigenmächtig absetzen |
| Alpha-Blocker (z. B. Tamsulosin) | weiternehmen | unbedingt bei der Voruntersuchung melden |
| Diabetes-Medikamente (z. B. Metformin) | normal weiternehmen | auf stabile Blutzuckerwerte achten |
| Blutdruck- und Herzmedikamente | normal weiternehmen | am OP-Tag wie gewohnt einnehmen |
| Pflanzliche Präparate (z. B. Ginkgo, Fischöl) | bei der Voruntersuchung nennen | können die Blutgerinnung beeinflussen |
| Vorbereitende Augentropfen | exakt nach Schema anwenden | keine Anwendung auslassen |
Eine Regel gilt dabei für alle Gruppen gleichermaßen: Die endgültige Entscheidung trifft Ihr Augenarzt, bei Bedarf gemeinsam mit dem verschreibenden Arzt. Setzen Sie kein Medikament ohne diese Rücksprache selbst ab.
Blutverdünner: fast immer weiternehmen
Blutverdünnende Medikamente wie ASS oder Marcumar setzen die meisten Patientinnen und Patienten nicht ab. Ein eigenmächtiges Pausieren kann riskanter sein als das Blutungsrisiko während der Operation selbst. Die Wunde bei der Katarakt-Operation ist sehr klein, das Blutungsrisiko dadurch insgesamt gering.
Ein Beispiel aus der Praxis: Ein Patient unter Marcumar wegen Vorhofflimmern fragte vor seiner Operation, ob er das Medikament pausieren solle. Nach Rücksprache mit seinem Kardiologen und dem Augenarzt nahm er es unverändert weiter ein. Die Operation verlief ohne erhöhte Blutungsneigung, wie bei den meisten Patientinnen und Patienten in dieser Situation.
Alpha-Blocker: unbedingt vorher melden
Alpha-Blocker wie Tamsulosin werden häufig bei Prostatabeschwerden verschrieben. Sie können während der Operation zu einer vorübergehenden Erschlaffung der Iris führen. Fachleute nennen das Intraoperatives Floppy Iris Syndrom.
Erwähnen Sie diese Medikamente deshalb schon bei der Voruntersuchung. Ihr Operateur passt seine Technik dann gezielt an und plant den Eingriff entsprechend sorgfältiger. Das gilt nach Studienlage teilweise auch, wenn Sie das Medikament schon länger nicht mehr einnehmen. Manche Effekte auf die Iris bleiben offenbar über das Absetzen hinaus bestehen.
Dauermedikation, pflanzliche Mittel und Augentropfen
Diabetes-, Blutdruck- und Herzmedikamente
Metformin und andere gängige Diabetes-Medikamente nehmen Sie normal weiter, sofern nichts anderes besprochen wurde. Auch die meisten Medikamente gegen Bluthochdruck oder Herzerkrankungen setzen Sie nicht ab. Bei einem gut eingestellten Diabetes verläuft die Operation in der Regel unauffällig.
Achten Sie in den Tagen davor trotzdem auf eine stabile Blutzuckereinstellung, da diese die Wundheilung beeinflusst. Sprechen Sie ungewöhnlich hohe oder niedrige Werte vor dem Termin mit Ihrem Hausarzt ab.
Pflanzliche Präparate und Nahrungsergänzung
Auch nicht verschreibungspflichtige Mittel können die Blutgerinnung beeinflussen, etwa bestimmte hochdosierte Präparate mit Ginkgo oder Fischöl. Nennen Sie bei der Voruntersuchung deshalb alles, was Sie regelmäßig einnehmen. Ihr Augenarzt braucht die gesamte Liste, nicht nur die augenrelevanten Präparate.
Vorbereitende Augentropfen
Zusätzlich zu Ihrer bestehenden Medikation verschreibt Ihre Praxis oft eigene Augentropfen für die Tage vor der Operation, häufig entzündungshemmende oder antibiotische Tropfen. Diese senken das Risiko für Entzündungen und Infektionen während und nach dem Eingriff. Halten Sie sich exakt an das vorgegebene Schema und lassen Sie keine Anwendung ohne Rücksprache aus.
Der OP-Tag: Essen, Trinken und Tabletten
Bei der üblichen örtlichen Betäubung mit Augentropfen müssen Sie am Operationstag nicht nüchtern bleiben. Sie dürfen normal essen und trinken und nehmen Ihre gewohnten Dauermedikamente mit etwas Wasser ein, sofern nichts anderes besprochen wurde. Diese Regel gilt für die weit überwiegende Mehrheit der Patientinnen und Patienten.
Nur bei einer Vollnarkose gilt eine strengere Vorgabe: Dann sollten Sie mindestens sechs Stunden vorher nichts mehr essen. Da eine Vollnarkose bei der Katarakt-Operation die Ausnahme bleibt, betrifft diese Einschränkung nur wenige Patienten, etwa Kinder oder Menschen mit stark eingeschränkter Kooperationsfähigkeit.
Für wen gilt was?
Zum Abschluss die Grundregeln nach Situation geordnet:
- Sie nehmen Blutverdünner wegen einer Herz- oder Gefäßerkrankung? Weiternehmen ist der Regelfall. Die Entscheidung treffen Augenarzt und verschreibender Arzt gemeinsam, nie Sie allein.
- Sie nehmen Alpha-Blocker oder haben sie früher genommen? Melden Sie das aktiv bei der Voruntersuchung, auch wenn die Einnahme länger zurückliegt.
- Sie haben Diabetes? Medikamente normal weiternehmen und in den Tagen vor dem Termin auf stabile Blutzuckerwerte achten.
- Sie nehmen pflanzliche Mittel oder Nahrungsergänzung? Bei der Voruntersuchung nennen, weil manche Präparate die Gerinnung beeinflussen.
- Ihre Operation findet in örtlicher Betäubung statt? Dann dürfen Sie am OP-Tag normal frühstücken und Ihre Tabletten wie gewohnt einnehmen.
Im Zweifel gilt immer: lieber einmal mehr nachfragen als ein Medikament eigenmächtig verändern.
Häufige Fragen
Muss ich Blutverdünner vor der Katarakt-OP absetzen?
In den meisten Fällen nein. Das Absetzrisiko ist häufig höher als das Blutungsrisiko bei der Operation selbst. Die Entscheidung trifft Ihr Ärzteteam.
Was, wenn ich meine Alpha-Blocker-Einnahme zu erwähnen vergessen habe?
Melden Sie es so früh wie möglich, idealerweise noch vor dem OP-Termin. Der Operateur kann seine Technik dann anpassen.
Darf ich am Morgen der Operation frühstücken?
Bei örtlicher Betäubung mit Augentropfen ja, ein normales Frühstück ist erlaubt. Nur vor einer Vollnarkose gilt eine längere Nüchternheitszeit.
Nächste Schritte
Eine vollständige Checkliste für die letzten Tage vor der Operation finden Sie auf unserer Seite zur Vorbereitung. Wie die Voruntersuchung insgesamt abläuft, lesen Sie unter Voruntersuchung.
Quellen
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